Der Aufenthalt in Allepey

Texte und Bilder

Allepey
Am Morgen des 10.08.2007 war gegen 08:00 Uhr bei barbarischer Hitze erst einmal Frühstücken bei Andrea und Jörg im Zimmer angesagt, bevor wir uns auf den Weg zur Busstation begaben. Nach dem Passieren von ca. 20 Rikschafahrern, die uns "überall" hin gefahren hätten, zu einem "fairen" Preis versteht sich, erreichten wir den Busbahnhof. Der Busbahnhof war ein großer unasphaltierter Platz, der aus vielen großen Schlaglöchern bestand. Neben Kiosken und Ständen gab es auch einen separaten Ticketschalter für Frauen und einen für Männer. Nur reagierte keiner auf die Anwesenheit am Frauenschalter von Andrea bzw. mir, wo wir uns bezüglich des Abfahrtortes des Busses informieren wollten. Aber wir erfuhren dann doch irgendwie, mit welchem Bus wir nach Allepey gelangen konnten. Da wir cleverer Weise an der ersten Station eingestiegen waren, haben wir mit unseren Rucksäcken gleich die gesamte hintere Sitzreihe in Beschlag nehmen können. Die Tickets, die für jeden 91 Rupie kosteten, haben wir im Bus vom Kontrolleur erhalten, dass sind nicht einmal 1,70 €. Der Kontrolleur war nicht nur für den Fahrkartenverkauf zuständig, sondern übermittelte per Glocke oder auch an anderen Stellen per Trillerpfeife den Busfahrer, dass dieser Rückwärtsfahren bzw. von einer Haltestelle abfahren kann. Während der 3¾-stündigen Fahrt über ca. 140 km, füllte sich der Bus von Haltestelle zu Haltestelle und die Sitz-ordnung - Frauen und Männer getrennt - wurde stets eingehalten. Sitzplätze waren schon längst keine mehr frei, so dass eine Inderin Dirks Rucksack als Sitzplatz benutzen durfte. Mit der Zeit fing es auch an zu regnen, was für die Fenstersitzplätze hieß, dass sie etwas nass würden aufgrund der schlecht zu verschließenden Fensterscheiben, insofern überhaupt welche vorhanden waren. Als wir in Allepey, eine Stadt, welche in Mitten von Kanälen und Kokospalmen liegt, eingetroffen waren - wir waren sogar an der richtigen Busstation in der Stadt ausgestiegen - sammelte sich sofort eine Menschentraube, von denen jeder uns zu einem Hotel fahren wollte. Nach Jörgs erfolgreichen und kühlen Verhand-lungen ging es mit 2 Rikschas und einem Hupkonzert zu verschiedenen Unterkünften mit 2 Doppelzimmern, bei denen sich herausstellte, dass sie bereits belegt waren. Zwischendurch hatten wir uns dann auch noch aus den Augen verloren, denn das Erkennungszeichen von Jörg und Andrea war der orangenfarbene Regenschirm von Andrea, den sie seitlich aus der Rikscha hielt. Dieser war aber irgendwann nicht mehr zu sehen. Aber alles lief gut und wir fanden uns wieder. Auf der Suche nach einer Unterkunft lernten wir unter anderem Matthew kennen, der Zimmer und Boote vermietet und dessen jüngerer Bruder uns als Geldquelle auf dem Busbahnhof zwecks Unterkunft angesprochen hatte. Bei der Frage nach einem preisgünstigen Zimmer für 4 Personen war wieder ein Lichtblick zu sehen. Matthew organisierte uns in einem seiner Häuser ein Zimmer für 3 Personen mit Aufbettung "without Aircon-dition only Ven", so dass wir uns alle ein Zimmer teilten. Auf der Unterkunftsterrasse, die wir zum Essen und Entspannen nutzten, unterbreitete Matthew uns ein Angebot, das wir nicht ausschlagen konnten. Es bestand die Möglichkeit, für 5000 Rs eine Nacht auf einem Hausboot in den Backwaters inklusive Verpflegung zu verbringen. Im Gegenzug hätte uns eine weitere Nacht in dem 4-Mann-Zimmer nur 400 Rs gekostet. Zusätzlich erfuhren wir, dass am nächsten Tag das einmal im Jahr stattfindende "Bootrace", so eine Art Drachenbootrennen, durchgeführt wird, was sehr bekannt und beliebt sei und Teilnehmer und Zuschauer aus ganz Indien bzw. auch aus dem Ausland erwartet werden. Um diesem Spektakel nicht fern zu bleiben, aber trotzdem unsere Ruhe genießen und die Erkundungsneugierde befriedigen zu können, nahmen wir das Angebot für den nächsten Tag nach einer kurzen einstimmig verlaufenden Beratung an. Aber Priorität hatte erst Mal die Stadterkundung. So zogen wir, eingehüllt in unsere Regencapes mit Kapuze wie die Schlümpfe, bei strömenden Regen in die City. Das H2O lief nur so die Straße entlang, so dass es sich bezahlt machte, keine Schuhe, sondern nur Latschen zu tragen. In einem Geschäft haben wir für 8 RS (ca. 12 Cent) jeweils ein Brot gekauft. Dann haben sich Jörg und Dirk getraut, im hinteren Bereich des Geschäftes einen "Kaffee" zu bestellen, wobei es sich allerdings um löslichen Tee mit Honig und Milch handelte, wie sich beim ersten Kosten herausstellte. Der hat auch 3 RS gekostet, wie ein Stück lecker indischer Kuchen. Mit Essen und Trinken versorgt, ging es dann weiter bis zum Friseur, wo Jörg sich erst einmal seine Haarmatte für umgerechnet 1 € kürzen ließ. Die Inder waren voll begeistert und haben sich gefreut - ein Europäer in Allepey auf dem Frisörstuhl. Ob Jörgs abgeschnittene Haare eingerahmt werden??? Anschließend trafen wir alle vier im Internetcafe ein, wo uns sofort fünf indische Jungs umringten. Jörg erklärt ihnen sein Internet Postfach und hat gleich mal eine 2 Euro Münze verschenkt. Der alte Sparfuchs, verschenkt gleich mal umgerechnet 110 Rs. Davon hätte er eigentlich den ganzen Urlaub Kuchen Essen können, aber was tut man nicht alles für die Völkerverständigung. Gegen Abend, als es endlich aufhörte zu regnen, wollten wir im Green's Restaurant, was anscheinend eine Touristenhochburg ist, da dort ausschließlich Touris den Weg durch den Eingang fanden, speisen. Auf dem Weg dorthin begaben wir uns auf Postkartensuche, welche aber absolut nicht erfolgreich verlief. Nachdem wir uns bei mehreren Geschäftsinhabern bzw. Verkäufern erkundigt hatten, ob sie Ansichtskarten verkauften, gab man uns eindeutig zu verstehen, dass wir bereits im Zeitalter des Internets leben und wir unsere Grüße in die liebe Heimat aus dem fernen Indien auf dem modernen Weg mittels des World-Wide-Web übermitteln könnten. Danke, für die Info. Mit voll gefüllten Mägen erwartete uns jedenfalls noch eine Menge Arbeit in unserer Unterkunft - Moskitonetzaufbau. Was sonst als schnell erledigte Aufgabe gelöst wurde, stellte sich diesmal aufgrund der feuchten Wände, an denen Jörgs Klebeband nicht hielt, als kleine Herausforderung dar. Aber durch gegenseitige Hilfe, Männergeschwafel und Frauenpower konnte Jörg, der mit seinen 1,83 m für die Anbringung der Moskitonetze zu klein war, so dass Andrea ihn hochheben musste, diese doch noch gut befestigen. Zur Aufbettung wurde uns eine, sagen wir nach Pilzen riechende Matratze (Mushroommatratze), angeboten, von der wir dann doch lieber großen Abstand genommen haben und mit vereinten Kräften ein Kanapee die Treppe hinauf beförderten. Anschließend hieß es Licht aus und Gute Nacht.
Alle Bilder von der rechten Seite -> findet ihr auch hier im Großforamt.
Hausterasse.GIF
Geschäfte.GIF
Tee_Kaffee_Shop.GIF
Gruppenfoto.GIF
Autofahrt.GIF
Regen.GIF
Friseur.GIF
Zimmer.GIF